Ohne Gottes Wort wird der Mensch zum Objekt
Übergang: Von der Verantwortungsdiffusion zum Menschenbild
Wenn Menschen Verantwortung dauerhaft abgeben, verändert sich ihr inneres Selbstverständnis. Wer nicht mehr selbst entscheidet, sondern Entscheidungen an Systeme, Institutionen oder Autoritäten delegiert, wird innerlich passiv. Das eigene Gewissen tritt zurück, fremde Vorgaben treten an seine Stelle.
So verschiebt sich das Bild vom Menschen: Der Mensch wird nicht mehr als handelndes Subjekt verstanden, sondern als verwaltbare Größe. Verantwortung wird ersetzt durch Steuerung, Gewissensentscheidung durch Systemlogik. Der Mensch wird zunehmend organisiert, geregelt, bewertet und optimiert.
Damit ist der entscheidende Schritt getan: Der Mensch wird vom Subjekt zum Objekt.
Genau hier setzt das erste Axiom an.
Ohne Gottes Wort wird der Mensch zum Objekt
1. Warum das Menschenbild entscheidend ist
Jede Gesellschaft hat – bewusst oder unbewusst – ein bestimmtes Bild vom Menschen. Dieses Menschenbild entscheidet darüber, wie Menschen behandelt werden, welche Rechte sie haben, welche Pflichten sie tragen und wie Macht ausgeübt wird.
Ein einfaches Beispiel: Wenn man ein Auto als wertvolles Sammlerstück betrachtet, behandelt man es vorsichtig, pflegt es und schützt es. Wenn man ein Auto nur als Gebrauchsgegenstand sieht, nutzt man es, bis es kaputt ist, und ersetzt es dann. Genauso ist es mit Menschen. Wie man den Menschen sieht, bestimmt, wie man mit ihm umgeht.
2. Das biblische Menschenbild
Die Bibel beschreibt den Menschen nicht als Zufallsprodukt, nicht als höher entwickeltes Tier und nicht als bloße biologische Maschine. Sie spricht von einem gewollten, geschaffenen und verantwortlichen Wesen.
„Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild.“ (1. Mose 1,27)
Das bedeutet: Der Mensch ist kein Produkt blinder Prozesse, sondern Ausdruck eines bewussten Schöpfungsaktes. Er ist gewollt, beabsichtigt und in seiner Existenz sinnvoll. Der Mensch trägt etwas von Gottes Wesen in sich, nicht in seiner Macht oder Allwissenheit, sondern in seiner Fähigkeit zu denken, zu entscheiden, zu lieben, Verantwortung zu tragen und Beziehungen zu gestalten.
Darum besitzt jeder Mensch Würde. Diese Würde hängt nicht von Intelligenz, Gesundheit, Leistungsfähigkeit, sozialem Status oder Erfolg ab. Sie beruht allein darauf, dass Gott ihn geschaffen hat. Ein Mensch ist nicht wertvoll, weil er etwas leistet, sondern weil er existiert. Vom ungeborenen Kind bis zum sterbenden Greis bleibt diese Würde unverändert bestehen.
3. Was geschieht ohne Gottes Wort
Gottes Wort ist der Maßstab, durch den der Mensch sich selbst richtig versteht. Solange dieser Maßstab gilt, bleibt klar, dass der Mensch Geschöpf ist, dass Gott Schöpfer ist, dass der Mensch Verantwortung trägt und dass er Gott rechenschaftspflichtig bleibt.
Wird Gottes Wort jedoch verdrängt, relativiert oder ignoriert, verliert der Mensch diesen festen Bezugspunkt. Er muss sich selbst neu erklären und beginnt, sich aus anderen Quellen zu deuten. Dabei entstehen neue Bilder vom Menschen, etwa als biologisches System, als Produkt der Evolution, als gesellschaftliches Konstrukt oder als wirtschaftliche Ressource. Diese Erklärungen wirken oft sachlich, wissenschaftlich oder modern, doch sie haben eine gemeinsame Folge: Der Mensch verliert seinen unverrückbaren Wert.
Sobald der Mensch nicht mehr von Gott her verstanden wird, wird er vom Nutzen, von der Funktion und von der Anpassungsfähigkeit her beurteilt. Damit verändert sich seine Stellung grundlegend.
4. Vom Subjekt zum Objekt
Solange der Mensch als Ebenbild Gottes verstanden wird, ist er Subjekt. Er handelt verantwortlich, trifft Entscheidungen, übernimmt Schuld, trägt Konsequenzen und steht in persönlicher Beziehung zu Gott. Er ist nicht austauschbar und nicht beliebig ersetzbar.
Wird Gott jedoch aus dem Denken verdrängt, verschiebt sich diese Perspektive. Der Mensch wird zunehmend als Objekt betrachtet. Er wird bewertet, verwaltet, optimiert und sortiert. Nicht mehr die Frage, wer jemand ist, steht im Vordergrund, sondern die Frage, was jemand leistet, bringt oder nützt.
Damit wird der Mensch zu einer Funktion innerhalb eines Systems. Er wird nicht mehr als Ziel, sondern als Mittel betrachtet. Sein Wert wird nicht mehr vorausgesetzt, sondern berechnet.
5. Die Folgen des Objektdenkens
Sobald der Mensch als Objekt verstanden wird, verändert sich zwangsläufig der Umgang mit ihm. Objekte werden nach Effizienz, Nutzen, Kosten und Zweckmäßigkeit beurteilt. Diese Denkweise ist in Technik, Verwaltung und Wirtschaft sinnvoll, doch sie wird zerstörerisch, wenn sie auf Menschen übertragen wird.
Besonders betroffen sind diejenigen, die nicht oder nur eingeschränkt leistungsfähig sind: ungeborene Kinder, alte Menschen, kranke Menschen, behinderte Menschen und Menschen, die dauerhaft Unterstützung benötigen. Ihre Existenz gerät unter Rechtfertigungsdruck, weil sie nicht mehr selbstverständlich wertvoll sind, sondern ihren Platz begründen müssen.
So entstehen Denkweisen, die Abtreibung, Euthanasie, Selektion und biopolitische Steuerung möglich machen. Diese Entwicklungen entstehen meist nicht aus bewusster Grausamkeit, sondern aus der konsequenten Logik eines falschen Menschenbildes.
6. Die zentrale Ursache
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht Politik, Technik oder Medizin. Diese Bereiche setzen lediglich um, was zuvor gedanklich vorbereitet wurde. Die eigentliche Ursache liegt tiefer: im Verlust von Gottes Wort als verbindlichem Maßstab.
Wo Gottes Wort nicht mehr geglaubt, ernst genommen und beachtet wird, verliert der Mensch den festen Bezugspunkt für sein Selbstverständnis. Er wird verhandelbar, relativierbar und funktionalisierbar.
Darum gilt der grundlegende Satz:
Ohne Gottes Wort wird der Mensch zum Objekt.
7. Exkurs: Menschenwürde – biblisch und gesetzlich
Der Begriff Menschenwürde ist vielen Schülerinnen und Schülern aus dem Grundgesetz bekannt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dieser Satz soll deutlich machen, dass jeder Mensch geschützt ist und nicht beliebig behandelt werden darf.
Doch hier stellt sich die entscheidende Frage: Warum ist die Würde des Menschen unantastbar?
Aus rechtlicher Sicht wird Würde häufig aus Eigenschaften wie Vernunft, Selbstbestimmung, Bewusstsein oder gesellschaftlicher Teilhabe begründet. Das Problem dabei ist: Wenn Würde an Eigenschaften gebunden wird, wird sie abhängig. Dann stellt sich zwangsläufig die Frage, was mit Menschen ist, die diese Eigenschaften nur eingeschränkt oder gar nicht besitzen, etwa ungeborene Kinder, schwer geistig behinderte Menschen, Demenzkranke oder Komapatienten.
Die Bibel geht einen grundsätzlich anderen Weg. Aus biblischer Sicht besitzt der Mensch Würde nicht wegen bestimmter Fähigkeiten, sondern wegen seiner Herkunft. Er ist Geschöpf Gottes, Ebenbild des Schöpfers. Seine Würde ist gesetzt, nicht verdient. Sie ist gegeben, nicht zugeschrieben. Darum ist die Würde des Menschen in der Bibel absolut, unabhängig von Zustand, Leistung, Gesundheit oder Bewusstsein.
Hier zeigt sich ein entscheidender Unterschied: Die gesetzliche Menschenwürde schützt den Menschen, solange die zugrunde liegenden Begründungen akzeptiert werden. Die biblische Menschenwürde schützt den Menschen, weil Gott ihn geschaffen hat – unabhängig von jeder gesellschaftlichen Zustimmung. Das erklärt, warum in einer Gesellschaft, die sich zunehmend von Gott löst, auch der Schutz des Lebens immer stärker unter Druck gerät.
8. Zusammenfassung
Der Mensch besitzt Würde, weil Gott ihn geschaffen hat. Diese Würde ist unverfügbar und unabhängig von Leistung, Nutzen oder Anpassung. Wird Gottes Wort aufgegeben, verliert der Mensch diesen Maßstab. Er wird nicht mehr als verantwortliches Subjekt, sondern als verwaltbares Objekt betrachtet. Damit beginnt eine Entwicklung, die das gesamte gesellschaftliche Denken verändert.
Dieses Axiom bildet das Fundament aller weiteren.