Religiöse Legitimation – Wo Kirche die Schrift relativiert, legitimiert sie Abfall.
1. Warum die Kirche eine Schlüsselrolle hat
Die Kirche ist keine gewöhnliche gesellschaftliche Institution. Sie wirkt nicht in erster Linie politisch oder wirtschaftlich, sondern geistlich. Ihr Einfluss liegt darin, dass sie Sinn, Wahrheit, Moral und Verantwortung deutet. Sie prägt, wie Menschen Gott verstehen, wie sie über richtig und falsch denken und woran sie ihr Gewissen ausrichten.
Darum ist die Wirkung der Kirche tiefer als jede staatliche Macht. Was religiös gerechtfertigt wird, wird innerlich akzeptiert. Was geistlich legitimiert wird, erscheint moralisch geboten. Die Kirche formt nicht nur Meinungen, sondern Gewissen.
2. Religiöse Verführung statt offener Gewalt
In Offenbarung 13 wird neben dem politischen Machtsystem ein zweites Tier beschrieben, das nicht durch Gewalt wirkt, sondern durch Verführung:
„… es verführt die, die auf der Erde wohnen …“ (Offenbarung 13,14)
Dieses zweite Tier handelt nicht primär politisch, sondern religiös. Es zwingt nicht, sondern überzeugt. Es regiert nicht offen, sondern formt Denken, Überzeugungen und innere Haltungen. Dadurch entsteht Zustimmung, ohne dass äußerer Zwang nötig wäre.
Hier wird die geistliche Schlüsselstellung der Kirche sichtbar. Sie kann zur religiösen Legitimationsinstanz werden, indem sie Entwicklungen deutet, rechtfertigt und geistlich einbettet. So entsteht innere Akzeptanz für Ordnungen, die ohne religiöse Legitimation auf Widerstand stoßen würden.
3. Der biblische Auftrag der Kirche
Der Auftrag der Kirche ist eindeutig: Sie soll Gottes Wort verkündigen, erklären und bewahren. Sie soll Wahrheit aussprechen, auch wenn sie unbequem ist, und Orientierung geben, auch wenn sie Widerstand hervorruft.
„Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre.“ (2. Timotheus 4,2)
Kirche soll nicht den Zeitgeist bestätigen, sondern Gottes Maßstab verkünden. Sie soll nicht beruhigen, sondern zur Umkehr rufen. Sie soll nicht anpassen, sondern heiligen.
4. Der schleichende Übergang zur Systemkirche
Kirche wird systemisch nicht durch einen plötzlichen Bruch, sondern durch schrittweise Verschiebung. Zunächst wird die Schrift vorsichtig relativiert, dann werden klare Aussagen umgedeutet, schließlich werden zentrale biblische Maßstäbe aufgegeben.
Wahrheit wird dabei nicht offen verworfen, sondern neu interpretiert. Einheit wird höher bewertet als Klarheit, Harmonie wichtiger als Wahrheit. Kritik gilt als lieblos, während Anpassung als christliche Tugend erscheint.
So verliert die Kirche ihre prophetische Distanz zur Welt und wird zum religiösen Begleiter gesellschaftlicher Entwicklungen.
5. Religiöse Umdeutung als größte Gefahr
Die größte Gefahr für den Glauben ist nicht offene Gottlosigkeit, sondern religiöse Umdeutung. Wo Gottes Wort nicht mehr verworfen, sondern scheinbar weitergeführt, aber inhaltlich verändert wird, bleibt die religiöse Form bestehen, während der geistliche Inhalt verloren geht.
Begriffe bleiben erhalten, doch ihr Sinn verschiebt sich. Wahrheit wird zu Meinung, Sünde zur persönlichen Deutung, Buße zur Selbstakzeptanz und Heiligung zu Toleranz. So entsteht ein Christentum, das äußerlich fromm wirkt, innerlich aber entleert ist.
6. Kirche als religiöse Legitimationsinstanz
In diesem Zustand übernimmt die Kirche eine neue Funktion. Sie legitimiert gesellschaftliche Entwicklungen religiös, beruhigt Gewissen und heiligt Anpassung. Abfall wird nicht offen verkündet, sondern geistlich umgedeutet und damit gerechtfertigt.
So wird Kirche vom Korrektiv zum Verstärker systemischer Ordnung. Sie stabilisiert das System nicht durch Zwang, sondern durch Sinnstiftung.
7. Der geistliche Endpunkt
Wo Kirche dauerhaft an der Schrift sägt, legitimiert sie Abfall. Sie entfernt das Licht der Wahrheit und ersetzt es durch religiöse Illusion. Was bleibt, ist eine geistliche Hülle ohne geistliche Substanz.
Nicht offene Gottlosigkeit ist die größte Gefahr, sondern religiöse Umdeutung.
8. Zusammenfassung
Die Kirche trägt eine besondere Verantwortung, weil sie Gewissen formt und Wahrheit deutet. Wo sie der Schrift treu bleibt, bewahrt sie geistliche Klarheit. Wo sie die Schrift relativiert, legitimiert sie Abfall.
Darum ist die Treue zum Wort Gottes keine theologische Detailfrage, sondern eine Frage geistlicher Existenz.