Axiom 2 – Der anthropologische Bruch

Der Verlust des Maßstabs

1. Warum der Maßstab entscheidend ist

Jeder Mensch trifft täglich Entscheidungen. Manche sind klein und scheinbar belanglos, andere prägen das ganze Leben. Hinter jeder Entscheidung steht – bewusst oder unbewusst – ein Maßstab: ein inneres Kriterium, anhand dessen wir beurteilen, was richtig und was falsch, was gut und was schlecht, was sinnvoll und was sinnlos ist.

Dieser Maßstab entscheidet darüber, wie wir denken, handeln, urteilen und bewerten. Ohne einen festen Maßstab wird alles beliebig. Was heute gilt, kann morgen falsch sein. Was hier als richtig gilt, kann dort verurteilt werden. Der Mensch verliert innere Orientierung.


2. Der biblische Maßstab

Die Bibel macht deutlich, dass Gott selbst der Maßstab für Wahrheit, Gut und Böse ist. Gottes Wort ist nicht eine Meinung unter vielen, sondern die verbindliche Grundlage für Erkenntnis und Lebensführung.

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ (Psalm 119,105)

Gottes Wort gibt Orientierung. Es zeigt, wer Gott ist, wer der Mensch ist, wozu das Leben dient und woran sich richtiges Handeln orientiert. Es setzt feste Grenzen und klare Maßstäbe.

Solange dieser Maßstab gilt, bleibt das Denken stabil. Der Mensch weiß, woran er sich orientieren kann. Wahrheit ist nicht verhandelbar, sondern gegeben.


3. Was geschieht, wenn der Maßstab verloren geht

Wird Gottes Wort relativiert, verdrängt oder verworfen, verliert der Mensch seine feste Orientierung. Er beginnt, sich selbst zum Maßstab zu machen oder fremde Maßstäbe zu übernehmen.

Dann entstehen neue Leitideen: persönliche Gefühle, gesellschaftliche Mehrheiten, wissenschaftliche Modelle, politische Programme oder kulturelle Trends. Diese Maßstäbe wechseln ständig und widersprechen sich oft.

Die Folge ist Unsicherheit. Was heute als richtig gilt, kann morgen als falsch gelten. Moral wird verhandelbar, Wahrheit relativ.


4. Der anthropologische Bruch

Hier geschieht ein tiefer Einschnitt im Menschenbild. Der Mensch ist nicht mehr Geschöpf unter Gottes Autorität, sondern erklärt sich selbst zum Maßstab.

Nicht mehr:

Gott bestimmt, was wahr und gut ist.

Sondern:

Der Mensch bestimmt selbst, was für ihn wahr und gut ist.

Damit entsteht ein grundlegender Bruch: Der Mensch übernimmt eine Rolle, die ihm nicht zusteht. Er setzt sich an die Stelle Gottes.

Dieser Bruch verändert das gesamte Denken. Wahrheit wird zur Meinung, Moral zur Verhandlungssache, Schuld zur Frage der Perspektive.


5. Die Folgen des Maßstabsverlustes

Ohne festen Maßstab entstehen widersprüchliche Werte. Jeder definiert sich seine eigene Wahrheit. Was zählt, ist nicht mehr, was richtig ist, sondern was sich gut anfühlt, gesellschaftlich akzeptiert ist oder persönliche Vorteile bringt.

Das führt zu innerer Orientierungslosigkeit, zu wachsender Unsicherheit und zu moralischer Beliebigkeit. Regeln werden nicht mehr aus Überzeugung befolgt, sondern aus Angst vor Strafe oder sozialer Ausgrenzung.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird schwieriger, weil gemeinsame Maßstäbe fehlen.


6. Verbindung zu Axiom 1

Wenn der Mensch seinen Maßstab verliert, verliert er zugleich sein festes Selbstverständnis. Ohne Gottes Wort weiß er nicht mehr, wer er ist und wozu er lebt. Damit wird er anfällig für äußere Steuerung.

So entsteht der direkte Übergang zu Axiom 1: Ohne festen Maßstab wird der Mensch formbar, verwaltbar und funktionalisierbar.

Ohne Gottes Wort wird der Mensch zum Objekt.


7. Zusammenfassung

Der Maßstab entscheidet über Denken, Handeln und Lebensführung. Gottes Wort bietet einen festen, unveränderlichen Maßstab. Wird dieser Maßstab aufgegeben, entsteht Orientierungslosigkeit. Der Mensch erklärt sich selbst zum Maßstab und verliert damit seine geistige Verwurzelung.

Dieser Verlust des Maßstabs ist der eigentliche anthropologische Bruch und bereitet den Weg für alle weiteren Entwicklungen.

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Kategorisiert als Axiome